Nach drei Heimsiegen in Folge hat der TSB Gmünd beste Karten im engen Aufstiegsrennen, verzichtet aber weiterhin auf Kampfansagen. Schwer genug beginnt das letzte Saisondrittel am Samstag (19:30 Uhr / Körschtalhalle Scharnhausen) bei der wiedererstarkten HSG Ostfildern.

Das 36:32 gegen den VfL Waiblingen fiel für den TSB Gmünd unter die Kategorie Arbeitssieg. Für etwas mehr Aufsehen sorgte da schon das obligatorische Trainergespräch nach dem Spiel. „Wir brauchen natürlich auch noch Unterstützung von den anderen Mannschaften“, meinte der Sportliche Leiter Jürgen Rilli zum Gästecoach Tim Baumgart: „Deshalb wünschen wir euch viel Erfolg und dass ihr dem TSB noch ein bisschen helfen könnt.“ Den Zuhörern in der Halle stellte sich automatisch die Frage: Haben die Gmünder mit dieser Bitte um Schützenhilfe nun erstmals offen den Aufstiegskampf ausgerufen?
Der TSB hat alles in der eigenen Hand
Ganz und gar nicht. Allen voran Trainer Aaron Fröhlich sorgt dafür, dass seine Mannen nicht die Bodenhaftung verlieren. „Von außen kann das jeder für sich interpretieren“, sagt Fröhlich, „wir halten es weiterhin einfach. In der Mannschaft spricht keiner vom Aufstieg und erst recht ist es kein Muss. Doch natürlich ist es kein Fehler, wenn die Waiblinger von nun an gegen alle anderen gewinnen.“ Praktisch gesehen sind die Gmünder nicht einmal auf Schützenhilfe angewiesen. Der Tabellendritte (29:11 Punkte) weist gemeinsam mit der HSG Albstadt (31:11) die wenigsten Minuspunkte auf, hat zudem das direkte Duell gegen den Primus für sich entschieden.
Was die Lage für die verbleibenden zehn Spieltagen allerdings besonders spannend macht: Der TSV Heiningen (30:14) sowie der TVS Baden-Baden (29:13) haben sich mit starken Serien für die beiden Aufstiegsplätze beworben, selbst die HSG Willstätt/Hanauerland (26:16) liegt als Siebter noch in Schlagdistanz. So eng wie die tabellarischen Abstände sind, „braucht man vor den letzten drei Spieltagen gar nicht draufzuschauen“, wie Fröhlich findet. Der Trainer rechnet vor, dass man sich mit zwei Niederlagen gleich einmal um vier Positionen verschlechtern kann. Woran im Gmünder Lager angesichts der anhaltend starken Form keiner denken möchte.
Zehn Spiele – zehn Stolpersteine
Besonders die Offensive um Spielmacher Tom Abt läuft zur Höchstform auf, hat in nunmehr sieben aufeinanderfolgenden Partien über 30 Treffer erzielt. Herausragende 20 Tore waren es alleine in der zweiten Halbzeit gegen Waiblingen. Da sich auch die eigene Abwehr in ihren vielfältigen Formationen gesteigert hat, wähnt sich der TSB wieder in seinem lange vermisst geglaubten Flow. Für den Trainer hängst das immens von „körperlicher Fitness und großem Selbstvertrauen“ ab. Woran es vor dem Jahreswechsel noch haperte. Doch nun ist der Kader – abgesehen vom langzeitverletzten Christian Waibel – komplett, die Brust wird mit jedem Sieg breiter. Die Leistung vom vergangenen Wochenende sei vor allem unter einem Gesichtspunkt herausragend gewesen, so Fröhlich: „Die Fehler aus der ersten Halbzeit haben wir uns in der zweiten Halbzeit nicht mehr geleistet. Diesen Schwung müssen wir nun mitnehmen.“
Obwohl das letzte Saisondrittel anbricht, gilt das altbekannte Motto: Nur von Spiel zu Spiel denken. Der erste von zehn Stolpersteinen lauert auf den Fildern. Wie schon zuvor Waiblingen ist die HSG Ostfildern ein Kontrahent, der deutlich stärker einzuschätzen ist als es der zehnte Tabellenplatz aussagt und laut Fröhlich sogar ganz ähnlich veranlagt ist wie der vorherige Gegner: „Es spricht für die gesamte Liga, dass es ein gleiches Niveau ist und vieles passieren kann. Wir gehen das Spiel mit viel Respekt an – aber auch mit der Überzeugung, dass wir es erneut für uns entscheiden können.“ Keinesfalls einfacher wird es durch die Tatsache, dass Ostfildern mit einem 30:28 bei der SG Heddesheim zuletzt wieder in die Erfolgsspur gefunden hat. Nach nur einem Sieg aus den vorherigen sieben Partien hatte die HSG bereits den Abstiegskampf ausgerufen, immerhin ist der Vorsprung zur Gefahrenzone auf fünf Zähler geschmolzen.
Ein Bundesligaspieler auf der Durchreise
Der TSB-Chefcoach sieht allerdings keinen Gegner, der wirklich um den Klassenverbleib bangen müsste. Erst recht angesichts der Erinnerungen aus dem Hinspiel, als die Gmünder einen 13:15-Halbzeitrückstand drehten und sich letztlich zu einem 29:28-Heimsieg zitterten. „Wenn es nach mir geht, dann lösen wir es lieber wieder mit einer niedrigen Toranzahl“, richtet Fröhlich seinen Fokus deshalb weiterhin auf die eigene Abwehrleistung. „Entscheidend wird sein, dass wir einzelne Spieler nicht zu sehr zur Entfaltung kommen lassen, welche Chancen wir zulassen und welche nicht. Wir müssen machen, was uns gut tut und dem Gegner nicht.“
Zwar verlor die HSG kürzlich ihren Spielgestalter Felipe Soteras Merz, der ein Jobangebot im Ausland annahm. Doch der ohnehin starke Rückraum um die Top-Werfer Janne Böhm (95 Saisontore) und Florian Distel (88) wurde prominent wieder aufgefüllt. Linkshänder Luis Foege, der von 2019 bis 2022 für den TVB Stuttgart in der 1. Bundesliga auflief und dessen Vertrag beim Zweitligisten HC Oppenweiler/Backnang nach langwieriger Verletzung im vergangenen Herbst aufgelöst wurde, schlug mit 21 Treffern in fünf Partien prächtig ein. Die Fildern sind für den 24-Jährigen allerdings nur eine Durchgangsstation, zur kommenden Saison hat er bereits beim Zweitliga-Anwärter TuS Vinnhorst unterschrieben.
Florian Abele im Duell mit seinem neuen Verein
Bei der HSG Ostfildern, die in ihren ersten beiden Regionalliga-Jahren stets ganz vorne mitmischte, stehen die Zeichen bereits auf Erneuerung. Dazu beitragen wird auch Rechtsaußen Florian Abele, der nach nur einem Jahr beim TSB Gmünd dorthin weiterziehen wird. Eine spezielle Situation also für den 19-Jährigen. Dennoch hat Trainer Fröhlich keine Bedenken, seinen Youngster auch am Samstag ins Rennen zu schicken: „Für uns als Team spielt das keine Rolle. Für ihn ist das eher eine zusätzliche Motivation als eine Belastung.“
Und ob Aufstiegsrennen oder nicht – für den TSB gilt die gleiche Devise: „Wir schauen, dass wir unsere Spiele gewinnen. Das ist für den Moment genug Motivation.“ Und könnte am Saisonende tatsächlich den ganz großen Wurf bedeuten.
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier

(Nicolas Schoch)







































