Nervenkitzel bis zum Schluss: TSB Gmünd steigt in die 3.Liga auf

Schon am drittletzten Spieltag sichert sich der TSB Gmünd die Meisterschaft in der Regionalliga Baden-Württemberg. 400 mitgereiste Fans bejubeln nach dem 31:29 (18:16) -Auswärtssieg beim TV Neuhausen/Erms den größten Erfolg der Vereinsgeschichte.

Die Euphorie war groß und hat die Mannschaft getragen: Zwei vollbesetzte Fanbusse hatten sich auf den Weg in den Metzinger Stadtteil gemacht und der TSB kämpfte sich nach anfänglichem Rückstand in die Partie hinein. Niklas Burtsche vergab einen ersten Strafwurf, ließ sich davon aber nicht beirren – so wie die gesamte Mannschaft nicht.
 
Der TSB erwischte nämlich einen durchwachsenen Start mit vielen Fehlwurfen. Zusätzlich wurde der Spitzenreiter geschwächt durch zwei frühe Zeitstrafen gegen Yannik Leichs, die erste davon aufgrund eines vermeintlichen Stürmerfouls gegen Felix Stahl, der sich Gmünder Publikum schnell unbeliebt machte. Torwart Daniel Mühleisen verhinderte mit seiner ersten Parade gegen Linksaußen Dustin Böhm sogar einen Drei Tore-Rückstand. Doch nach dem 3:5 (9.) bewies der TSB abermals seine Qualität, sich in ein Spiel hineinzukämpfen. Tom Abt versenkte die Würfe selbst aus größter Bedrängnis, die Abwehr stand gut und der Gmünder Angriff ließ sich auch von der harten Gangart der abstiegsbedrohten Hausherren nicht beeindrucken.
 
Gedankenschnell eroberte der TSB einige Bälle und fuhr schnelle Konter. Andreas Maier vollendete mit einem lässigen Dreher am Torwart vorbei zum 6:6 (13.), Burtsche warf die Jets erstmals mit 10:9 (19.) in Front. Dann war es zweimal Abt, der sich energisch durchtankte und auf 12:10 (22.) stellte. Neuhausen kam durch seine starken Rückraumschützen Stahl und Patrick Letzgus zurück, doch nach 22 Minuten machte der TSB den entscheidenden Schachzug. Tobias Klemm rückte für Mühleisen zwischen die Pfosten und bot in seinem drittletzten Spiel vor dem angekündigten Karriereende eine absolute Galaleistung.
 
Mit einer spektakulären Flugparade entschärfte Klemm einen Rückraumwurf von Bauer, so dass der TSB durch Kapitän Wolfgang Bächle erstmals auf 18:15 (30.) erhöhte. Der TSB war nun in seinem Spielfluss. Da konnte es auch nichts ändern, als der starke Abt für einen Griff in den Wurfarm des Gegenspielers mit der Roten Karte auf die Tribüne geschickt wurde. Stück für Stück setzten sich die Gmünder in der zweiten Halbzeit ab, die Halle war da längst in Gmünder Hand. Der A-Jugendliche Lenny Schwenk kam herein, suchte furchtlos jeden Zweikampf und erzielte zwei wertvolle Treffer. Yannik Leichs und Kai Schäffner übernahmen die Verantwortung im Rückraum, hinten lief Klemm zur Höchstform auf und parierte zwischen der 35. und 45. Minuten beinahe jeden Ball.
 
Beim Stand von 29:22 (50.) dachten sich die meisten Gästefans wohl schon, dass nichts mehr schief gehen kann. Doch plötzlich begann das Rattern im Kopf. Der TSB vergab mehrere Chancen und Neuhausen, selbst noch im Abstiegskampf unter enormem Druck, kämpfte sich spät heran. Beim Anschlusstreffer zum 30:29 (58.) kochte die Halle und der TSB hatte sogar das nötige Glück. Nach der Auszeit von Trainer Aaron Fröhlich vergab man einen Angriff, doch auch die Hausherren erlaubten sich in ihrem letzten Angriff einen technischen Fehler. Neuhausen agierte mit einer offenen Manndeckung, doch der TSB spielte den perfekten Pass auf den alleinstehenden Burtsche und der Linksaußen behielt die Nerven. Seine zehnter Treffer zum 31:29-Endstand 15 Sekunden vor dem Ende läutete die große Aufstiegsparty ein.
 
Erst da konnte der Sportliche Leiter Jürgen Rilli die vorbereiteten Aufstiegsshirts auspacken, dem Abteilungsleiter Michael Hieber standen die Tränen in die Augen – es war ein historischer Abend für den TSB Gmünd. „Besser kann es nicht werden“, rief Trainer Aaron Fröhlich seinen Mannen im Teamkreis zu, während der mitgereiste Anhang lautstark jubelte. Nach ihrer Heimkehr wurden die Aufstiegshelden im Gmünder Bassono gebührend gefeiert und das bis in die frühen Morgenstunden. Auch der Erste Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd, Dr. Christian Baron, sprach dem Team vor Ort seine Glückwünsche aus: „Wir sind stolz auf diese Mannschaft. Das ist ein historischer Mannschaft, zu dem alle – Mannschaft, Trainer und Fans – beigetragen haben. Es ist eine große Gemeinschaftsleistung. Dass es nochmal spannend geworden ist, war ein unterhalterischer Höhepunkt. Am Ende sind wir alle erleichtert.“
 
Schon vor seinen letzten beiden Saisonspielen beim TSV Heiningen (25.April) und zuhause gegen den TV Plochingen (03.Mai) ist der TSB damit nicht mehr von der Spitzenposition zu verdrängen - und darf sich ab September erstmals in der 3. Bundesliga beweisen.

(Nicolas Schoch)