In seinem letzten Auswärtsspiel muss sich der TSB Gmünd beim TSV Heiningen mit 26:30 (15:18) geschlagen geben, weil er zweimal entscheidend abreißen lässt. Für den Primus ist es kein Beinbruch – für den Nachbarn hingegen lebt die Hoffnung, ebenfalls in die 3. Liga aufzusteigen.

Ein Derby beim ewigen Rivalen zu verlieren, dies gehört üblicherweise zu den schlimmsten Momenten eines jeden Sportlers. Während die Heininger „Staren“ vor voller Tribüne ausgelassen zelebrierten, da ertönte aus der Kabine des TSB Gmünd statt Trübsal ein ausdrücklicher Partybefehl von höchster Stelle. „Diese Zeit ist jetzt einfach zum Feiern da, das haben sich die Jungs verdient und sie sollen es genießen“, sagte Trainer Aaron Fröhlich. Der Titel war seinem Team schon nicht mehr zu nehmen, weshalb Fröhlich auch stilecht im druckfrischen Aufstiegsshirt coachte und hinterher trotz der ersten Niederlage seit zwei Monaten keinesfalls unzufrieden wirkte: „Unter den Umständen haben wir es sehr ordentlich gemacht. Wir wollten natürlich gewinnen – aber nicht um jeden Preis. Ich denke, das sieht uns jeder nach.“
Trotz Rotation präsentiert sich der TSB stark
Die Kräfte wurden verteilt, der angeschlagene Patrick Watzl sowie Kapitän Wolfgang Bächle komplett geschont. Doch neben der gewohnten Rückraumformation wussten auch Torwart Tobias Klemm und Florian Abele bei ihrem letzten Auswärtsspiel im TSB-Dress zu gefallen. „Wir hatten genügend Chancen, um den Rückstand in der zweiten Halbzeit aufzuholen“, ärgerte sich Abele zunächst. Doch der junge Rechtsaußen, der sonst im Schatten von Bächle steht und sich deshalb zur neuen Saison der HSG Ostfildern anschließen wird, freute sich über seinen ersten Einsatz über die vollen 60 Minuten: „Trotz der Niederlage überwiegt natürlich der Aufstieg, den wollen wir noch eine Woche lang feiern und die Saison mit einem guten Gefühl abschließen.“
Nichtsdestotrotz war es ein prickelndes Derby, in dem keiner der 650 Zuschauer sein Kommen bereuen und auch der Meister sich keinen Vorwurf in puncto Einsatz gefallen lassen musste. Gleich zu Beginn setzte sich Kai Schäffner energisch durch und erzielte die ersten beiden Tore. Die Heininger glichen aber schnell aus, denn sie hatten die richtigen Lehren aus der 24:37-Hinspielschlappe gezogen. „Damals hatten wir keine Lösungen gegen die vier Rückraumspieler und das entsprechend aufgearbeitet“, erklärte TSV-Trainer Hagen Gunzenhauser: „Der andere Part war, dass wir uns gegen die starken Gmünder Abwehr nur einen kurzen Wackler geleistet und es sonst sehr fokussiert heruntergespielt haben.“
Die Jets ließen es keinesfalls locker angehen, sie hatten richtig Lust darauf, vor der tollen Kulisse befreit aufzuspielen. Torjäger Niklas Burtsche vergab seinen ersten Wurf, machte es kurz darauf aber und traf zur 6:3-Führung (9.). Es ging hart und hektisch zur Sache, obwohl es nur noch für die Hausherren um etwas ging. Die Überzahlsituationen nutzte der TSB zunächst gnadenlos aus. Nach einem kollektiven Ballgewinn stürmte Stefan Scholz davon und verwandelte lässig ins leere Tor, Yannik Leichs erhöhte sogar auf 10:6 (17.). „Solange wir in unserer normalen Formation gespielt haben“, meinte Fröhlich, „hat man gesehen, dass wir aktuell einfach besser sein. Auch wenn vielleicht der allerletzte Biss gefehlt hat.“
Doppelte Unterzahl und fünf Aluminiumtreffer sorgen für die Wende
Nicht die einsetzende Rotation, sondern vielmehr die sich häufenden Fehlwürfe ließen das Derby kippen. Ein weiterer Knackpunkt: Direkt nachdem Burtsche mit einem frechen Lupfer zum 11:8 (20.) eingenetzt hatte, leistete sich der TSB einen Wechselfehler und stand 15 Sekunden später nach einem Foulspiel von Stephan Mühleisen mit zwei Akteuren weniger auf dem Feld. Um diesen Nachteil auszugleichen, ersetzten die Gmünder ihren Tormann durch einen zusätzlichen Angreifer, scheiterten aber immer wieder an Manuel Weinbuch. Der 36-jährige TSV-Rückhalt erzielte selbst mit einem Distanzwurf den 11:11-Ausgleich (22.). Von Außen verzweifelte Abele am Pfosten, sein Team geriet mit 13:15 (25.) ins Hintertreffen und die Halle tobte. Defensiv fand der TSB keine Mittel, kassierte sieben Gegentore innerhalb von nur sechs Minuten. Keeper Klemm konnte sich erst mit einem parierten Strafwurf einmal auszeichnen. Seine Vorderleute aber hatten in der ersten Halbzeit fünfmal Pech bei Aluminiumtreffern. Gekrönt von jener Szene, in der sowohl der freigespielte Kreisläufer Mühleisen als auch Burtsche im Nachwurf nur den Pfosten trafen.

Die Gmünder rappelten sich nochmals auf und kämpften verbissen gegen den 15:18-Halbzeitstand an. Nach Wiederanpfiff kam Klemm mit den Heininger Rückraumwürfen immer besser zurecht. Abwehrchef Andreas Maier feuerte seine Kollegen lautstark an und erzielte im Rückwärtsfallen selbst den Anschluss zum 20:21 (40.). Nur kurz darauf wurde Maier allerdings mit Rot auf die Tribüne geschickt, weil er Gegenspieler Nick Kohnle umklammert hatte, dieser sich fallen ließ und die Schiedsrichter einen Schlag ins Gesicht erkannt haben wollen. Sehr zum Missfallen von Trainer Fröhlich: „Ich hatte das Gefühl, dass wir das Ding drehen und fand diese Entscheidung sehr ungerecht.“


Dem TSB fehlen die Kreativität und die letzte Energie
Ganz nervenstark glich Abele mit seinem zweiten Treffer zum 23:23 (46.), doch der Krimi löste sich schneller auf als von Gmünder Seite erhofft. Auch der inzwischen eingewechselte Daniel Mühleisen konnte nicht verhindern, dass mehrere Heininger Rückraumgeschosse hinter ihm im Netz einschlugen. Während sich der TSB zehn Minuten lang vergebens abmühte, zogen die Hausherren mit einem 5:0-Lauf entscheidend davon. Dem Meister fehlten die Lösungen, die Kreativität und vielleicht auch die letzten Kräfte. Mit einer offensiven Abwehr brachte man die siegessicheren Staren nochmals ins Grübeln, den 26:30-Endstand aber nicht mehr ernsthaft in Gefahr.

„Wir hatten einen kleinen Tick mehr Energie“, resümierte TSV-Coach Gunzenhauser. Ohne aber allzu viele Gedanken daran zu verschwenden, dass sein Team den Gmündern in die 3. Liga nachfolgen könnte: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, um am Ende vielleicht der lachende Dritte zu sein. Dafür müssen wir noch einmal kämpfen und hoffen.“ Nur wenn Konkurrent HSG Albstadt im Saisonfinale beim VfL Waiblingen unterliegt, kann der TSV Heiningen mit einem eigenen Sieg in Heddesheim noch auf den zweiten Aufstiegsplatz klettern. Der TSB Gmünd wiederum konzentriert sich aufs Feiern – zunächst beim Rathausempfang am Mittwochabend und schließlich am Sonntag (17 Uhr / Große Sporthalle) im Heimspiel gegen den abgestiegenen TV Plochingen.






































