Der TSB Gmünd bietet seinen 800 Zuschauern erneut einen packenden Krimi und zeigt dabei eine seiner bislang besten Abwehrleistungen – doch zum Sieg reicht es nicht. Mit 29:29 (13:15) entführt der TV Erlangen-Bruck unter Ex-TSBler Moritz Sokol seinen ersten Punkt, bei den Hausherren sorgen die Schlussminuten für reichlich Frust.

Unauffällige Schiedsrichter gelten als Idealbild guter Unparteiischer: Das Spiel läuft flüssig, Entscheidungen sind nachvollziehbar, am Ende stehen nicht die Männer mit der Pfeife, sondern die Spieler im Mittelpunkt. Lars Zick und Dominik Schek gelang das am Samstagabend nicht. Mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedete das Gmünder Publikum das Duo aus dem pfälzischen Mundenheim und Eckbachtal. So berechtigt der Ärger über einige Entscheidungen in der Schlussphase auch war: Der TSB musste sich den verlorenen Punkt auch selbst zuschreiben, hatte man zuvor doch genügend Möglichkeiten gehabt, das Spiel in die gewünschte Richtung zu lenken.
Schon die Anfangsphase gehörte den Gmündern. Die Gäste versuchten zunächst, ihren gefährlichen Rechtsaußen Jonas Poser in Szene zu setzen. Zweimal traf er den Pfosten, beim dritten Versuch war Daniel Mühleisen zur Stelle. Nach zwölf Minuten hatte der Gmünder Tormann bereits dreimal pariert und gab seiner Abwehr damit den nötigen Rückhalt. Vorne allerdings stockte es. Der TSB diktierte die Partie, schoss aus den ersten sechs Minuten ohne Gegentor aber nur eine 2:0-Führung heraus. Tom Abt ging im Rückraum voran, insgesamt blieb der Angriff aber zu ausrechenbar und leistete sich zu viele Nachlässigkeiten. Kai Schäffner setzte einen Wurf neben das Tor, Stefan Scholz scheiterte an TVE-Rückhalt Marc Panholzer – und gleichzeitig wurde der Rückzug immer wieder zur Achillesferse.
So kam Erlangen-Bruck zurück. Nach einem Ballverlust nutzten die Gäste einen Wurf ins leere Tor zum 6:7 (14.) – plötzlich lag der TSB erstmals hinten. Immer wieder folgte auf eine gute Gmünder Aktion die kalte Dusche im direkten Gegenzug. Ein Steal von Niklas Burtsche zum 10:9 (19.) schien den TSB wieder auf Kurs zu bringen. Doch selbst in Überzahl kamen die Pässe nicht zuverlässig an, weil sich die Erlanger mit aller Entschlossenheit dazwischen warfen. Die nächste bittere Pointe: Burtsche traf von außen den Pfosten, ehe Finn Speck aus dem Stand ein Geschoss abfeuerte, das mit der Pausensirene zum 13:15 einschlug. Gleich nach dem Seitenwechsel leistete sich der TSB einen technischen Fehler und lag mit drei Toren zurück.
Der TSB löst erst spät die Handbremse
Doch der TSB bewies nun gleich zweimal Comeback-Qualitäten. Schäffner drehte sich im Rückraum sehenswert um seinen Gegenspieler, scheiterte zunächst an Panholzer – doch Burtsche setzte nach und verkürzte auf 17:18 (35.). Der nächste Nackenschlag folgte: Andreas Maier lieferte sich ein Wortgefecht mit den Unparteiischen und kassierte eine Zeitstrafe, unmittelbar danach wurde Trainer Aaron Fröhlich wegen zu heftigen Reklamierens bestraft. Clever spielten die Gmünder aber diese doppelte Unterzahl herunter, die sich nickt als Genickbruch, sondern als Weckruf erweisen sollte. Bis dahin hatte der TSB phasenweise die Handbremse angezogen, nun waren endlich die Emotionen da.
Zweimal blieb Rechtsaußen Wolfgang Bächle nervenstark und glich zum 20:20 (41.) aus. Vor allem aber Andreas Maier ging nun voran. „Die Zeitstrafe habe ich ein Stück weit persönlich genommen und wollte noch einmal ein bisschen mehr geben“, meinte er hinterher. Jeden gewonnenen Zweikampf feierte der Abwehrchef beinahe wie einen Treffer, vorne setzte er den eingelaufenen Burtsche in Szene und ging dann selbst aus dem rechten Rückraum in die Lücke – 22:21 (44.). Beim 24:22 durch Burtsche im Konter (48.) schien Gmünd endgültig auf die Siegerstraße einzubiegen. Es war eine Partie, in der Kleinigkeiten den Ausschlag gaben. Die Abwehr um Maier war in dieser Phase im stehenden Angriff kaum zu überwinden. Doch über die zweite Welle fing sich der TSB das 24:24 (50.). Plötzlich war es ein echtes Nervenspiel, in dem die Unparteiischen eine entscheidende Rolle spielen sollten.
Zwei Siebenmeter in den letzten 90 Sekunden
Die sogenannten Fifty-Fifty-Entscheidungen gehören zum Spiel. Am Samstag aber hatten die Gmünder das Gefühl, dass praktisch jede dieser Situationen gegen sie ausging. Und bei einigen Entscheidungen fehlte aus Sicht des TSB das nötige Fingerspitzengefühl. Ganz offensichtlich schien dabei die Szene in der 57. Minute: Burtsche lief erneut glänzend an den Kreis ein, wurde dabei am Trikot zu Boden gerissen. Der mögliche Siebenmeterpfiff blieb aus. Stattdessen rollte der Gegenstoß – und Erlangen traf zum 27:27. Der TSB blieb trotzdem dran. Abt hielt seine Mannschaft im Spiel, dann stemmte sich der bereits am Oberschenkel angeschlagene Maier noch einmal mit aller Kraft durch zwei Gegenspieler und brachte sein Team mit 29:28 (58.) in Führung.
Fabian Bauer war inzwischen für Mühleisen zwischen die Pfosten gerückt und bekam bei zwei Aktionen jeweils die Hand an den Ball. Beide Male entschieden die Schiedsrichter dennoch auf Siebenmeter. Den ersten setzte der bis dahin fehlerfreie Poser links oben vorbei. Danach wurde dem TSB ein vermeintlicher Schrittfehler abgepfiffen. Kurz darauf blieb Scholz nach einem Zweikampf einen Moment zu lange liegen und musste ebenfalls für zwei Minuten vom Feld. Erlangen bekam den zweiten Siebenmeter innerhalb der letzten 90 Sekunden zugesprochen. Christian Steinmann verwandelte zum 29:29. Noch blieben 20 Sekunden für den letzten Gmünder Angriff. Schäffner tankte sich durch, wurde gefoult – der Pfiff zum Siebenmeter blieb diesmal aus. Die Sekunden tickten herunter. Maier bekam nur noch die Möglichkeit zum direkten Freiwurf, dem Sechs-Mann-Block der Erlanger hängen blieb.
Aus. Vorbei. Ein Punkt. Insgesamt ein leistungsgerechtes Unentschieden, wenngleich es sich für die Gmünder wie eine Niederlage anfühlt. Doch die nächste Gelegenheit, um das Konto von 5:7 Punkten weiter zu verbessern, kommt: Nächsten Samstag (19 Uhr) gastiert der TSB in der Murrtal-Arena beim letztjährigen Zweitligisten und aktuellen Tabellenzweiten HC Oppenweiler/Backnang. Es ist der Auftakt zu vier Hammeraufgaben in Folge.







































