Die Talfahrt wurde abgebremst, dennoch herrschten beim TSB Gmünd II nach einem hitzigen Bezirksoberliga-Derby gemischte Gefühle. Bei der HSG Bargau/Bettringen II mussten sich die Jets mit einem 33:33 (17:11) begnügen – ein Punkt, der sich nach einer Neun-Tore-Führung eher wie eine Niederlage anfühlte.

Vor rund 300 Zuschauern entwickelte sich von Beginn an das erwartete intensive Derby. „Das heißeste Derby des Ostalbkreises“, wie TSB-Trainer Patrick Schamberger das Duell in seiner Wahlheimat Bargau nannte, bot eine lautstarke und enthusiastische Atmosphäre. Personell ging der TSB stark ersatzgeschwächt ins Spiel. Kai Jaros fehlte mit einer Sprunggelenksverletzung, Aaron Wild krankheitsbedingt. Dafür kehrte Jonathan Leichs rechtzeitig aus seinem Auslandssemester zurück – und prägte das Spiel sofort. Auch Schamberger selbst griff als Spielertrainer ein, um die Abwehr zu stabilisieren, während Moritz Kienzle nach längerer Handballpause reaktiviert wurde.
Trotz der dünnen Besetzung erwischten die Gmünder einen hervorragenden Start. Nach Toren von Sebastian Wittek und Felix Daubner führte der TSB früh mit 3:0 (4.). Besonders die Abwehr funktionierte zunächst hervorragend. „Wir haben eine solide und stabile erste Halbzeit hingelegt und den stehenden Angriff von Bargau/Bettringen vor große Herausforderungen gestellt“, erklärte Schamberger. „Sie mussten viele Verzweiflungswürfe nehmen, um gegen uns durchzukommen.“ Angeführt vom starken Leichs bauten die Gäste ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Beim 9:4 (15.) und später beim 15:9 (27.) hatten die Gmünder das Spiel klar im Griff. Mit einer verdienten 17:11-Führung ging es in die Pause. Auch nach dem Seitenwechsel blieb der TSB zunächst dominant. Felix Daubner erhöhte per Siebenmeter, kurz darauf traf Wittek zum 19:11 (33.). Als Torwart Tizian Daubner aus der Distanz ins leerstehende Gehäuse zum 23:14 (38.) einwarf, betrug der Vorsprung erstmals neun Tore.
Doch genau zu diesem Zeitpunkt begann das Spiel zu kippen. Die HSG stellte auf sieben Feldspieler um und setzte den TSB damit zunehmend unter Druck. „Das hat uns in der Abwehr aus dem Konzept gebracht. Wir haben da kein richtiges Mittel mehr gefunden“, sagte Schamberger. Gleichzeitig verteidigten die Gastgeber offensiver, nahmen Spielmacher Daubner in Manndeckung und gingen aggressiver auf Rückraumschütze Leichs. Die Atmosphäre in der Halle wurde immer hitziger – und beim TSB schlichen sich zunehmend Fehler ein. „Vielleicht war es konditionell, vielleicht auch Nervosität“, meinte Schamberger. „Auf jeden Fall wurden unsere technischen Fehler mehr.“ Tor um Tor kämpfte sich Bargau/Bettringen zurück. Beim 28:30 (50.) war der Vorsprung erstmals auf zwei Treffer geschrumpft. Wenig später gelang der HSG beim 32:32 erstmals wieder der Ausgleich. Kurz darauf gingen die Gastgeber sogar mit 33:32 in Führung. Doch der TSB zeigte Moral. Mit letzter Entschlossenheit setzte sich Wittek durch, behielt die Nerven und glich aus. Im letzten Atemzug hätten beide Seiten das Derby noch zu ihren Gunsten entscheiden können. Die HSG nahm zehn Sekunden vor dem Ende eine Auszeit, doch die Gmünder Abwehr hielt stand. Beim anschließenden Wurf auf das leere Tor wurde ein TSB-Abschluss zwar noch von einem HSG-Spieler mit dem Fuß abgewehrt, allerdings war zuvor bereits abgepfiffen worden – sonst hätte es wohl Siebenmeter für die Gäste gegeben.
So blieb es beim Remis – ein Ergebnis, das Trainer Schamberger zwiespältig bewertete. „Unterm Strich waren wir 40 Minuten die klar bessere Mannschaft und haben es nicht geschafft, den Sack zuzumachen. Über die ersten 40 Minuten gesehen ist es ein verlorener Punkt“, sagte er. „Aber die letzten 20 Minuten waren ein gewonnener Punkt, weil Bargau/Bettringen dann viel besser war und wir viele Außenwürfe bekommen haben.“ Trotzdem könnte das Derby für den TSB ein wichtiges Signal gewesen sein. Nach zuletzt fünf Niederlagen in Serie zeigte die Mannschaft vor großer Kulisse wieder eine deutlich verbesserte Leistung. „Vor 300 Leuten so eine Leistung abzuliefern, deutet darauf hin, dass die Kurve nach oben geht“, sagte Schamberger. „Aber wir brauchen jetzt die Punkte.“ Die nächste Chance dazu bietet sich bereits am kommenden Samstag (17:15 Uhr), wenn der punktgleiche HC Oppenweiler/Backnang II in der Großen Sporthalle antritt. Dort zählt für die Gmünder nur noch eines: ein Sieg.
HSG: Falk Zeman, Simon Stütz – Julian Weinhold (8), Marius Kreilinger (8/2), Timo Schramm (7), Philipp Haas (4), Leo Mayer (3), Chris Barthle (1), Niels Waldraff (1), Steffen Barthle (1), Lukas Knoblauch, David Ritz, Sebastian Koscheluh, Daniel Barthle, Alexander Seewald
TSB II: Tizian Daubner (1), Devin Immer – Jonathan Leichs (9), Sebastian Wittek (7), Felix Daubner (7/5), Jonas Stütz (4), Noel Reibstein (4), Kai Kiesel (1), Patrick Schamberger, Aaron Wild, Jonas Fischer, Can Oktay, Max Wollmann, Moritz Kienzle
(Text: Nicolas Schoch - Foto: Fabiano Romano / Rems-Zeitung)







































