Nach dem Statement-Sieg über Weinsberg will der TSB Gmünd unbedingt nachlegen und am Samstag (20 Uhr / Lixsporthalle) den Abstieg des TSV Blaustein auch rechnerisch besiegeln. Vorausgesetzt, die „Jets“ bestätigen ihre starken Leistung, um so keine Erinnerungen an frühere Ausrutscher aufkommen zu lassen.

Die Ergebnisse vom vergangenen Wochenende tönten wie ein Donnerhall durch das Aufstiegsrennen. Mit 34:21 hatte der TSB Gmünd den direkten Konkurrenten TSV Weinsberg aus der eigenen Halle geschossen. Hauptrivale HSG Albstadt ging parallel beim Tabellenfünften TuS Steißlingen mit 33:49 unter und auch der TVS Baden-Baden musste bei der SG Heddesheim eine 24:28-Niederlage einstecken. Im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Baden-Baden (31:15 Punkte), Albstadt (33:13) und dem neuen Spitzenreiter TSV Heiningen (34:14) sind es nun wieder die Gmünder, die alle Trümpfe in der eigenen Hand halten.
Die größte Gefahr: Überheblichkeit
Mit ordentlich Selbstvertrauen reist der TSB zum Schlusslicht TSV Blaustein, dessen Abstieg mit erst zwei Zählern auf der Habenseite praktisch besiegelt ist. Was soll da schon schiefgehen für den haushohen Favoriten? Genau vor diesem Gedanken, dass nun alles einfach von der Hand geht, warnt Trainer Aaron Fröhlich. Denn: „Wir haben im Hinspiel die bittere Erfahrung gemacht, als wir in der ersten Halbzeit gar nicht gut ausgesehen haben und es zur Halbzeit unentschieden stand.“ Noch eindringlicher erscheint die Warnung aus dem Saisonstart. Nach einem ebenso famosen 37:24-Kantersieg über Heiningen patzten die „Jets“ ausgerechnet beim Vorletzten TV Plochingen (31:33), der seitdem nur drei weitere Partien gewann. Ein erneutes Waterloo gilt es unbedingt zu verhindern.

„Wir müssen dieses Spiel gewinnen“, betont Fröhlich naturgemäß. Doch vor allem geht es um eine echte Bestätigung, wie der Trainer anmahnt: „Wir hatten eine Talsohle mit zu vielen Gegentoren, die wir erst einmal korrigieren konnten. Da sind wir aber weiterhin auf der Suche nach Konstanz und wollen den nächsten Schritt gehen.“ Starke Torhüter, starke Abwehr, starke Emotionen – gegen Weinsberg boten die Gmünder ihre kompletteste Leistung in dieser Saison. „Wir haben einem starken Gegner seine Eins-gegen-Eins-Situationen weggenommen wie zuvor noch keiner und wie wir es selbst auch noch nie geschafft haben“, lobt Fröhlich. Was allerdings kein Selbstläufer war: „Wie sehr wir das wollen, wie wir um Bälle kämpfen, wie wir zurücklaufen – wenn man das gut macht, dann ist es ein ganz wichtiger Faktor für die Abwehr, aber auch für das Durchsetzungsvermögen im Angriff.“
Erst die Pflichtaufgabe, dann das Topspiel
Diese Intensität gilt es mitzunehmen. Das wegweisende, nächste Topspiel gegen Baden-Baden in einer Woche spielt noch gar keine Rolle. Zunächst geht es nur darum, die Hausaufgaben in fremder Halle zu erledigen. „Es ist so wichtig wie noch nie, dass wir nur von Spiel zu Spiel die richtige Einstellung finden“, appelliert Fröhlich. „Wir haben in den vergangenen Wochen wirkliche Schwächen gezeigt. Da können wir nicht nach einem guten Spiel sagen, dass wir Stabilität gefunden haben.“

Da ändert es auch nichts daran, dass Gegner TSV Blaustein zuletzt Auflösungserscheinungen zeigte. Zum Jahreswechsel hatte Trainer Gabriel Senciuc überraschend das Handtuch geworfen. Gleich mehrere Leistungsträger sind abhanden gekommen. Wie etwa das ungarische Top-Talent Martin Szabados, der nach 124 Toren in nur 15 Spielen nicht mehr aus seinem weihnachtlichen Heimaturlaub zurückkehrte. Durch fünf A-Jugendspieler wurde der Kader aufgefüllt. Neben heftigen Packungen in Weinsberg (15:42) oder Ostfildern (17:35) sind die verjüngten Blausteiner aber auch immer wieder für kleine Überraschungen zu haben. Beim Drittliga-Absteiger Baden-Baden etwa führten sie zur Halbzeit mit drei Toren und ernteten trotz dem abermals deutlichen 29:38-Endstand große Anerkennung. Inzwischen ist der TSV Blaustein nur noch eine Niederlage vom rechnerisch besiegelten Abstieg entfernt. Doch die stimmungsvolle Kulisse in der Lixsporthalle sowie die Tatsache, dass sich die TSV-Talente für eine Zukunft unter dem langjährigen Linksaußen und künftigen Trainer Philipp Frey empfehlen wollen, macht es für den TSB Gmünd am Samstagabend nicht einfacher. Dieser Gegner hat rein gar nichts mehr zu verlieren.
Der TSB richtet den Fokus auf das Wesentliche
Alleine schon in der Vorbereitung überlasst der TSB deshalb nichts dem Zufall. Im Videostudium hat sich Fröhlich auf viele „markante Dinge“ in der umgekrempelten Blausteiner Truppe eingestellt, die es zu verteidigen gilt. Die bei Frisch Auf Göppingen ausgebildeten Talente Yannis Fleischer (94/8 Saisontore) und Linus Bee (55) etwa hatten den Gmündern im bereits angesprochenen Hinspiel kräftig geärgert. Obwohl sich der TSB letztlich standesgemäß mit 34:23 (13:13) durchsetzen konnte, will Fröhlich den Gegner dieses Mal erst gar nicht so lange schnuppern lassen: „Wie deutlich sie manche Spiele verlieren, davon können wir uns auch nichts kaufen. Wir sind gewarnt, dass die Blausteiner immer wieder mithalten können und wir unser Bestes geben müssen.“

Die Gmünder Mannschaft, die bis auf den langzeitverletzten Christian Waibel erneut in Bestbesetzung anreisen wird, hat diese Denkweise verinnerlicht. So sehr sich der beste Torjäger und emotionale Antreiber Niklas Burtsche über den befreienden Kantersieg über Weinsberg freuen konnte, genauso schnell hatte er den Blick wieder nach vorne gerichtet: „Wir müssen den Kopf bei uns behalten und dürfen nicht so fahrig agieren wie in anderen Spielen. Wir haben gezeigt, dass wir es viel besser können und die Emotionen unser großer Schlüssel zum Erfolg sind.“ Besonders wird es auf einen gelungenen Start ankommen. „Dieses Mal müssen wir von der ersten Minute an hellwach sein und den Blausteinern sofort den Zahn ziehen“, erklärt der zuletzt herausragende Rückhalt Daniel Mühleisen. „Wenn man den Gegner lange mitspielen lässt, dann wird es für sie automatisch einfacher.“
Den Quasi-Absteiger auf die leichte Schulter zu nehmen, es wäre der größte Fehler, den der TSB überhaupt machen könnte. Auch Rückraumspieler Yannik Leichs sieht die Gastgeber als extrem gefährlich an: „Sie werden jede Minute in der Regionalliga noch einmal genießen wollen. Deshalb dürfen wir nur auf uns schauen, eine gute Abwehr stellen – und dann wollen wir sowieso jedes Spiel gewinnen.“ Es wäre der erste und vielleicht wichtigste von acht verbleibenden Schritten auf dem Weg in Richtung Aufstieg.
TSB: Klemm, D. Mühleisen – Abt, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, Schwenk, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier

(Text: Nicolas Schoch - Bilder. Frank Bieg)







































