Der TSB Gmünd kassiert die erste Heimniederlage der Saison und verpasst den Sprung an die Regionalliga-Spitze. Ein medizinischer Notfall überschattet das Spiel gegen den HC Neuenbürg. Nach langer Unterbrechung und einer Sieben Tore-Hypothek kämpfen sich die „Jets“ zurück, vergeben aber zu viele Chancen und unterliegen mit 26:30 (10:15).

Ungewohnt still war es in der ansonsten so stimmungsvollen Großen Sporthalle. Was allerdings nicht daran lag, dass die Hausherren einen Fehlstart erwischt hatten und nach knapp 18 Spielminuten mit 8:9 im Rückstand lagen. Für die 400 Zuschauer unbemerkt gab es einen medizinischen Notfall auf der Gästebank. Die Physiotherapeutin des HC Neuenbürg klagte über akute Atemnot. TSB-Physio Nina Waldenmaier reagierte geistesgegenwärtig, übernahm die Erstversorgung und stabilisierte die Betroffene, bis der Rettungsdienst eintraf. Erst als diese wieder ansprechbar und auf dem Weg ins Krankenhaus war, rückte wieder das Sportliche in den Fokus – was ebenfalls nichts für schwache Nerven sein sollte.
Lange Pause bringt den TSB aus dem Konzept
Während Neuenbürg wach aus der 25-minütigen Unterbrechung zurückkehrt, wirken die Gmünder wie gelähmt. Nacheinander scheitern Stefan Scholz, Niklas Burtsche und Tom Abt nacheinander an Konstantin Regelmann. Der Gästekeeper ist längst in den Köpfen der Gmünder Werfer angekommen. Bis zur Pause gelingt ihnen kein einziger Treffer mehr aus dem Spiel heraus, einzig Burtsche sowie Kai Schäffner behalten von der Siebenmeterlinie aus die Nerven. Als Quittung gibt es einen brutalen 9:15-Rückstand. Und das, obwohl auch TSB-Rückhalt Daniel Mühleisen stark aufgelegt ist und seine Vorderleute sich gute Chancen erspielen. Symbolisch aber, dass der junge Rechtsaußen Florian Abele erst an Regelmann und kurz darauf am Pfosten verzweifelt.
Wild entschlossen kehren die Gmünder aus der Kabine zurück, bekommen aber erneut die kalte Dusche verpasst. Gegen die Gewaltwürfe aus dem Neuenbürger Rückraum findet der TSB keine Mittel und muss dann eine doppelte Unterzahl verkraften, nachdem sich Schäffners Gegenspieler etwas theatralisch fallen lässt. Beim 12:19 (35.) deutet nichts auf eine Aufholjagd hin, weil selbst die klarsten Chancen nicht genutzt werden. Spielmacher Abt nagelt einen Tempo-Gegenstoß an die Unterkante der Latte. Eine Behandlungspause direkt danach nutzt Trainer Aaron Fröhlich, um sein Team zur Beratung an die Bank zu bitten und neu zu sortieren.Der TSB taumelt – aber gibt nicht auf
Der Sportliche Leiter Jürgen Rilli hat da die Hoffnung noch nicht aufgegeben: „Wenn eine Mannschaft das umbiegen kann, dann wir.“ Schon beim vorherigen Aufeinandertreffen im Frühjahr hatte der TSB in Neuenbürg einen hohen Rückstand aufgeholt. Eine Geschichte, die sich beinahe wiederholt hätte. Mühleisen pariert zwei freie Würfe und hält sein Team so am Leben. Vorne gehen Abt und Yannik Leichs dorthin, wo es weh tut und erzwingen so die zweite Rote Karte gegen die Gäste. Eine offensive Deckung des TSB stört die Badener, bei denen es bislang flüssig lief. Zehn Minuten lang vernagelt Mühleisen sein Gehäuse. Das Momentum kippt, als Wolfgang Bächle von Abt in Szene gesetzt wird und das fünfte Tor in Folge zum 18:20 (45.) erzielt.
Das Publikum treibt die Gmünder voran, die im schnellen Umschaltspiel durch ihren Spielmacher Abt zweimal den Anschluss erreichen. Nur der Ausgleich will nicht fallen. Stattdessen nehmen sich die Jets übereilige Würfe und leisten sich einen Ballverlust, der mit dem Neuenbürger Konter zum 21:24 (48.) bestraft wird. Der starke Lauf findet ein abruptes Ende, auch weil die TSB-Abwehr das Kreisläuferspiel des HCN nicht in den Griff bekommt. Der loyale Ersatzmann Tobias Klemm motiviert noch einmal seinen Torwartkollegen Daniel Mühleisen. Mit Erfolg: Mit stoischer Ruhe pariert der Schlussmann gegen den besten Neuenbürger Schützen Vincent Virzi. Im direkten Gegenzug tankt sich Linkshänder Scholz durch und lässt mit seinem Treffer zum 25:26 (55.) wieder hoffen.Volles Risiko – zu viel Leichtsinn
Doch aus dem erhofften Comeback wird Nichts. Mit dem nächsten Gewaltwurf von Mattes Meyer ist Mühleisen überwunden, Abt scheitert mit einem zu unplatzierten Wurf an Regelmann und die Gäste treffen aus dem Zeitspiel heraus zum vorentscheidenden 25:28 (57.). Der TSB gibt sich nicht auf und geht ins volle Risiko. Doch der Chancenwucher erreicht seinen tragischen Höhepunkt. Linksaußen Burtsche wird schön eingesetzt, findet aber erneut in Regelmann seinen Meister. Vom anderen Flügel trifft Bächle nur den Pfosten. Zum zweiten Mal an diesem Abend verstummt die Halle – ausgenommen die Gäste, die mit dem 26:30-Endstand überschwänglich ihren Befreiungsschlag im Abstiegskampf bejubeln.
Der erfolgsverwöhnte TSB hingegen war an sich selbst gescheitert: Ein schwacher Start, zu wenig Zugriff in der Abwehrzentrale und nur die Hälfte aller Würfe verwandelt – so lässt sich kein Spiel gewinnen. Der TSB bleibt Tabellenzweiter, doch die Spitzengruppe ist noch enger zusammengerückt. Kommenden Samstag (19:30 Uhr) gilt es das Visier wieder richtig einzustellen, um beim punktgleichen Vierten SG Heddesheim bestehen zu können.



TSB-Trainer Aaron Fröhlich: „Zu Beginn hat sich unser Spiel kraftlos angefühlt. Gerade als wir einigermaßen reingekommen sind, kam die lange Pause und wir sind wieder zurück gefallen. Wir haben ein paar wilde Sachen versucht, um den großen Rückstand zu verringern und das ist uns auch gelungen. Die Mannschaft hat Charakter gezeigt. An den vergebenen Chancen will ich es gar nicht festmachen, denn niemand verwirft mit Absicht. Worüber wir aber sprechen müssen, ist unsere körperliche Bereitschaft, die uns am Anfang gefehlt hat. Dass der Gegner nach einer Viertelstunde deutlich mehr Selbstvertrauen hatte, ist unsere eigene Schuld.“
TSB-Torwart Daniel Mühleisen: „Ich hätte lieber schlechter gehalten und gewonnen. Wir hatten immer das Gefühl, das Spiel noch drehen zu können. Am Ende sind wir zu hektisch geworden, einige Abschlüsse waren zu überhastet und Pech kam dazu. Die Würfe, die hinter mir genau unters Lattenkreuz fliegen, sind bei uns ans Aluminium und nicht rein gegangen.“
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Frank Bieg)



































