Im Regionalliga-Heimspiel gegen die MTG Wangen will der TSB Gmünd am Samstag (19:30 Uhr) wieder zeigen, dass die Große Sporthalle sein Revier ist. Die abstiegsbedrohten Gäste haben zwar ihren stärksten Spieler verloren, reisen aber mit gefährlichem Selbstvertrauen an.

So richtig pausiert haben die „Jets“ zwischen den Feiertagen nicht. Mit einem individuellen Programm hielten sich die Spieler fit, seit dem 02. Januar steht die Mannschaft wieder geschlossen in der Halle – und das nach langer Zeit nahezu vollständig. Spielmacher Tom Abt hat seine Bänderverletzung auskuriert, Arian Pleißner kehrte aus seinem Auslandssemester in Finnland zurück und Patrick Watzl ist nach seiner Meniskus-Operation wieder voll belastbar. „Es gibt schon Trainingsbedarf und das konnten wir gut nutzen“, erklärt Trainer Aaron Fröhlich.
Rückkehrer bringen neue Option – Waibel reißt eine Lücke
Während sich Eigengewächs Pleißner rasch wieder ins Rückraumspiel integrieren dürfte, habe Linkshänder Watzl die größte Hürde zu überwinden. „Er war vier Monate lang raus“, so Fröhlich, „er muss noch die nötige Fitness aufbauen und das Vertrauen in sich finden. Dann wird er uns zeitnah helfen.“ Schwer wiegt hingegen der Verlust des erfahrensten Akteur: TSB-Urgestein Christian Waibel hatte sich im letzten Spiel vor dem Jahreswechsel schwer am Ellenbogen verletzt, wurde erfolgreich operiert und wird in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Ob der Abwehrspezialist, der im Mai 38 Jahre alt wird, überhaupt noch einmal aufs Feld zurückkehren wird, steht in den Sternen. Was seinen langjährigen Mitspieler angeht, will Fröhlich keine Prognose wagen. Der Trainer hat genug damit zu tun, seine Defensive neu zu justieren. Vieles wird ausprobiert, neue Formationen trainiert, um die plötzliche Lücke zu schließen.

„Wir werden in zwei oder drei Wochen noch besser sein als jetzt“, ist Fröhlich überzeugt. Die vierwöchige Spielpause kam dem TSB gerade gelegen, wenngleich die Regionalliga-Spitzengruppe inzwischen noch enger zusammengerückt ist. Gerade einmal drei Pluspunkte trennen den Tabellenzweiten TSV Weinsberg (22:10 Punkte) vom Neunten TVS Baden-Baden (19:13), mittendrin stehen die Gmünder (21:9) auf Rang vier. Womit die Rollen scheinbar klar verteilt sind, wenn zum Rückrundenstart der Tabellenzwölfte MTG Wangen (12:20) anreist. Das Hinspiel im Allgäu hatten die Jets souverän mit 34:24 für sich entschieden – auch, weil sie den gegnerischen Top-Werfer Aaron Mayer komplett im Griff hatten.
Klare Rollen – aber kein Selbstläufer
Im November riss sich Mayer ohne Fremdeinwirkung die Achillessehne – eine absolute Hiobsbotschaft. Doch das abstiegsbedrohte Team rückte daraufhin noch enger zusammen, gewann ohne seinen Kapitän und Spielmacher drei von fünf Partien. Was für den Gmünder Trainer allerdings gar nicht allzu überraschend kam: „Ich würde in keinster Weise sagen, dass Wangen ohne Mayer besser dran ist. Aber sie sind in der Breite sehr gut besetzt mit großen und zweikampfstarken Leuten im Rückraum. Wir wissen, was da auf uns zukommt.“ Mit den Rückraumshootern Max Weber (43 Saisontore) und Moritz Sellschopp (32) sowie Linkshänder Elia Mayer (39/4), der seit der Verletzung seines ein Jahr älteren Bruders Regie führt, ist die MTG noch einen Tick unberechenbarer geworden.

Ein weiterer Vorteil für die Gäste: Sie sind längst wieder im Wettkampfmodus und verspüren Rückenwind, nachdem sie am vergangenen Samstag einen enorm wichtigen 35:30-Sieg gegen ihren direkten Konkurrenten TV Neuhausen/Erms einfuhren. „Tabellarisch war es ein Pflichtsieg im Abstiegskampf und deshalb sind wir natürlich mega erleichtert“, resümierte Elia Mayer. „Wir hoffen, dass wir uns ein Polster schaffen und es am Ende auf 20 Punkte rauskommt und wir im Idealfall nicht so wie im letzten Jahr auf den letzten Drücker Schützenhilfe kriegen.“ Weshalb die MTG Wangen nun auf Bonuspunkte beim Favoriten in Gmünd hofft, der sich mit den vermeintlich einfachen Aufgaben oft schwer tat.
„Das stört mich nach wie vor“
„Wenn wir ein gutes Spiel machen, dann können wir das für uns entscheiden“, betont TSB-Trainer Fröhlich, „was wir aber bislang nicht so konstant schaffen wie noch vor einem Jahr.“ Gegen den Tabellendreizehnten HC Neuenbürg (26:30) sowie den Achten TuS Steißlingen (33:35) verloren die Gmünder zwei ihrer vergangenen drei Heimspiele. Eine ungewohnte Erfahrung, die immer noch tief sitzt. „Das beschäftigt und stört mich bis heute“, gibt Fröhlich offen zu. Die personellen Engpässe seien nicht der alleinige Grund gewesen: „Ich hatte das Gefühl, dass wir das besser hätten bewältigen können und der Spielverlauf auch unglücklich war. Dieses Jahr ist die Liga ausgeglichener. Jeder gewinnt gegen jeden. Da ist es bitter um jeden Punkt, der uns fehlt.“

Der mögliche Sprung in die 3. Liga schwebt längst über den Köpfen. Die Chance ist wohl sogar so groß wie noch nie zuvor. Was aber nicht bedeutet, dass sich die Gmünder nun unter Zwang sehen. „Umso später in der Saison wir den zweiten Tabellenplatz erreichen, umso besser“, grinst Fröhlich. „Dieses Thema begleitet uns nun schon länger und wir können damit befreiter umgehen, als es manch andere denken. Vielmehr wissen wir um unsere Fähigkeiten, erneut eine richtig gute Rückrunde zu spielen.“
Eine zusätzliche Motivation – und eine Warnung
Worauf der Trainer anspielt: Vorige Saison gewann sein Team in der zweiten Saisonhälfte 13 von 15 Partien, schnupperte so bis zum Ende am Drittliga-Aufstieg. Das erste Heimspiel nach der kurzen Winterpause allerdings ging in letzter Sekunde mit 27:28 gegen den VfL Waiblingen verloren. Noch so eine bittere Erfahrung, die sich auf keinen Fall wiederholen soll. An Motivation mangelt es also nicht, um die Große Sporthalle im Jahr 2026 wieder zu einer uneinnehmbaren Festung zu machen. „Wir haben gemerkt, dass es nicht von alleine läuft und wir alles investieren müssen“, so Fröhlich. „Wir haben das Gefühl, dass wir etwas ausmerzen können. Genau das nimmt etwas Druck aus der Situation heraus.“
Ein stimmungsvoller Jahresauftakt ist vorprogrammiert. Bereits um 17:30 Uhr empfängt die B-Jugend des TSB Gmünd, die sich mitten im Titelrennen der Oberliga befindet, die SG Weinstadt zum Derby.
TSB: Immer, Klemm, D. Mühleisen – Abt, J. Leichs, Y. Leichs, Maier, Pleißner, Schäffner, L.Schwenk, Neumaier, Scholz, Watzl, Abele, Bächle, Burtsche, Kiesel, S. Mühleisen, Waldenmaier

(Text: Nicolas Schoch - Archivbilder: Frank Bieg)







































