Diese Hinrunde war stark – aber auch lehrreich. Je weiter der TSB Gmünd in der Tabelle nach oben kletterte, umso dünner wurde die Luft. Warum die junge Mannschaft von Trainer Aaron Fröhlich trotzdem genau dort steht, wo sie stehen soll – und was noch fehlt für den letzten Schritt in Richtung 3. Liga.

Es ist der letzte Eindruck, der haften bleibt. Die 33:35-Niederlage gegen Neuling TuS Steißlingen trübte beim TSB Gmünd die Weihnachtsstimmung – nicht bloß, weil erneut der Sprung an die Tabellenspitze verpasst wurde. Zwei ihrer letzten drei Heimspiele im sonst so starken Jahr 2025 haben die „Jets“ verpatzt. In den entscheidenden Phasen fehlten die Abgebrühtheit und die Coolness, die man von einem Spitzenteam erwarten würde. „Wir sind alle zu ehrgeizig, als dass diese Momentaufnahme nicht weh tun würde“, meint Rückraumspieler Kai Schäffner. Teamkollege Andreas Maier ergänzt: „Natürlich hätten wir uns gerne auf Platz eins gesehen. Das werden wir aufarbeiten, doch eigentlich ist es auch egal, wo wir jetzt stehen.“
Auf der Suche nach dem echten Flow
Als die Gmünder am vergangenen Freitag wieder ins Training einstiegen, war der bittere Rückschlag schon vergessen. Auch die Tatsache, dass man auf dem zweiten Rang – einem direkten Aufstiegsplatz – steht, scheint derzeit alle Beteiligten kalt zu lassen. „Die Mannschaft hat über die gesamte Hinrunde ihren Charakter und große Moral bewiesen“, zeigt sich der Sportliche Leiter Jürgen Rilli zufrieden. Eine Wertschätzung, die ebenso der ambitionierte Cheftrainer zum Ausdruck bringt. „Angesichts unseres harten Programms und der personellen Situation stehen wir herausragend da“, so Aaron Fröhlich: „Wir haben aber auch gesehen, dass es kein Selbstläufer ist. Vom Tabellenplatz können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt absolut nichts kaufen und deshalb ist uns das völlig egal. Es geht darum, dass wir uns weiter steigern und auf die überwiegend guten Leistungen aufbauen.“

Seit Ex-Torjäger Fröhlich sein Amt vor 18 Monaten angetreten hat, klopft der TSB Gmünd immer lauter an die Tür zur 3. Liga. „Jedes Spiel zu gewinnen“, so lautet der klare Anspruch des 35-Jährigen. Doch im Vergleich zur Vorsaison, als ein unfassbarer Lauf mit 26 Siegen aus 30 Partien fast zum Aufstieg gereicht hätte, fehlt derzeit noch die ganz große Konstanz. Bereits zur Halbzeit dieser Runde stehen genauso viele Niederlagen (4) und mehr Minuspunkte (9 statt 8) zu Buche. Ein Indiz dafür, wie viel stärker die Regionalliga in der Breite geworden ist. Nur die HSG Albstadt (23:7 Punkte) liegt vor dem TSB (21:9). Dahinter drängen sich zwei Teams mit 20:10 Punkten, drei weitere mit 19:11. Selbst der Tabellenneunte Steißlingen (17:13) liegt in Schlagdistanz.
Auswärts furios, zuhause gestolpert
Da wiegt jeder Ausrutscher doppelt schwer. Ausgerechnet gegen die vermeintlich kleinen Gegner stolperte der TSB: Beim Vorletzten TV Plochingen (30:33), beim Elften VfL Waiblingen (36:41) sowie zuhause gegen den Zwölften HC Neuenbürg (26:30). Umgekehrt setzten die Gmünder in fremder Halle ein Ausrufezeichen nach dem anderen. Beim Wintermeister Albstadt (38:32) sowie gegen die Verfolger Willstätt (41:36), Baden-Baden (29:28) und Heddesheim (27:26) bewies der TSB seine ganze Klasse.

Die eigene Abwehr steht exemplarisch dafür, wie mühsam die gewohnte Stabilität gesucht wird. Durchschnittlich 29,6 Gegentore kassierte der TSB und damit fast zwei Treffer mehr pro Spiel als noch vor einem Jahr. Die Hypothek, siebenmal weit über 30 Tore kassiert zu haben, war selbst durch die furiose Offensive nicht immer zu kompensieren. Denn nur selten konnten die Gmünder in personeller Bestbesetzung antreten. Patrick Watzl, der sich zu einem der stärksten Abwehrspieler entwickelt hat, musste sich schon nach dem ersten Spiel einer Knieoperation unterziehen und wurde seitdem schmerzlich vermisst. Zum Jahresfinale fehlten die genialen Momente des verletzten Spielmachers Tom Abt, bevor die größte Hiobsbotschaft folgte.
Hoffen auf die Rückkehrer, Bangen um Waibel
Christian Waibel stürzte gegen Steißlingen unglücklich auf den Ellenbogen und wurde aus der Halle getragen. Wann und ob der 37-jährige Ur-TSBler zurückkehren wird, bleibt offen. „Die Mannschaft wird nun auch für ihn spielen“, verspricht Jürgen Rilli. Ursprünglich hatte der Sportliche Leiter darauf gebaut, dass der Kader in der zweiten Saisonhälfte seine volle Stärke erreicht. Talent Arian Pleißner ist aus seinem Auslandssemester in Finnland zurückgekehrt, mit dem bevorstehenden Comeback von Watzl und Abt komplettiert sich der Rückraum wieder. Dass sich die A-Jugendlichen Lenny Schwenk und Simon Neumaier immer besser einfinden, schafft weitere Verschnaufpausen für die viel belasteten Dauerbrenner wie Schäffner und Yannik Leichs.

Diese beiden sind längst in eine Führungsrolle hineingewachsen. „Wir haben im gesamten Jahr 2025 nur sechs Spiele verloren und die meisten Top-Teams auswärts geschlagen“, hebt Schäffner die positiven Erkenntnisse hervor: „Das müssen wir mitnehmen und gleichzeitig aus den wenigen Niederlagen lernen. Abgerechnet wird erst im Mai.“
Weiterentwicklung statt Aufstiegszwang
Auch wenn die Erwartungen im Umfeld rasant gestiegen sind, verzichtet der Verein bewusst auf äußeren Druck. Vom einstigen Fernziel 3. Liga wird nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. „Wenn wir es sportlich schaffen“, so Rilli, „dann nehmen wir das an und planen entsprechend. Doch unsere Priorität ist, dass wir uns weiterentwickeln und mit Freude und Spaß weitermachen. Damit kommt der Erfolg automatisch.“

Ruhig, aber zielstrebig arbeitet der TSB einer spannenden zweiten Saisonhälfte entgegen. Der Trainer vertraut auf die starke Fitness seiner Mannen, hat die Winterpause deshalb bewusst kurz gehalten. Vor allem aber gilt es unter Beweis zu stellen, wie lernfähig das junge Team weiter arbeitet. Am 17. Januar um 19:30 Uhr startet der TSB gegen die abstiegsbedrohte MTG Wangen, schon zwei Wochen später kommt es in eigener Halle zum Gipfeltreffen gegen Albstadt. Der Heimvorteil soll im Aufstiegsrennen zum großen Pluspunkt werden: 8 der 15 Rückrundenspiele finden in eigener Halle statt – darunter fast sämtliche Spitzenspiele, die der TSB auswärts bereits für sich entscheiden konnte.








































