Das Ziel des TSB: Nicht wieder bis zum Schluss zittern

Handball, Regionalliga: Für seinen zehnten Heimsieg muss der TSB Gmünd am Sonntag (17 Uhr / Römerhalle Straßdorf) erneut eine der nur vermeintlich einfachen Aufgaben lösen. Gegen den Tabellenletzten TuS Schutterwald wird Kreisläufer Stephan Mühleisen sein Jubiläumsspiel bestreiten.

Die Erfolgswelle gleicht einer Flut: Mit 18 Siegen aus 21 Spielen erlebt der TSB Gmünd die erfolgreichste Zeit seiner Geschichte. „Wir haben schon ab und zu Momente, in denen wir uns sehr zufrieden fühlen“, sagt Trainer Aaron Fröhlich: „Aber bezogen auf das nächste Spiel, das wir gewinnen wollen, stehen wir wieder bei Null.“ Bei der wöchentlichen Fleißarbeit nimmt sich niemand raus. Selbst Tobias Klemm, der sich vor Saisonbeginn einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, steht wieder in der Halle und unterstützt das Training seiner Torwartkollegen. Arian Pleißner kann nach seiner Knieverletzung immerhin dosiert mitmachen. Für die verbleibenden neun Saisonspiele ist der Kader beinahe komplett, nachdem Stephan Mühleisen seine schwere Erkältung auskuriert hat. Der Kreisläufer fiebert nun seinem 100.Pflichtspiel im TSB-Trikot entgegen. „Er hat sich gleich gut eingefügt und wird auf jeden Fall spielen“, garantiert Fröhlich.
Zuletzt ritten die „Jets“ ihre Erfolgswelle etwas wackelig weiter. Gegen die abstiegsbedrohte TSG Söflingen (34:30) und beim kriselnden TV Willstätt (31:29) tat man sich lange Zeit schwer, bewies zum Schluss aber den längeren Atem und ziemlich viel Coolness. Zwingend schön war es nicht, das gestand hinter auch der Trainer. Doch sein Team ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass es die ohnehin schon tolle Bilanz weiter ausbauen wollte. Und überhaupt, so denkt Fröhlich an seine aktive Laufbahn zurück: „In dieser ausgeglichenen Liga gab es auch früher keine Spiele, die man einfach so im Vorbeigehen gewonnen hat.“
 

„Es geht nur mit Fleiß und Konzentration“

Derzeit ist besonders Verlass auf die starke Fitness sowie die individuelle Qualität. Spielmacher Tom Abt habe den TSB in Willstätt „über die Ziellinie getragen“, lobt Fröhlich. Sein Linksaußen Niklas Burtsche zählt mit 169/60 Toren weiterhin zu den fünf besten Werfern der Regionalliga. Doch der Chefcoach lässt gar nicht erst zu, dass sich jemand auf solchen Lorbeeren ausruht. Statt Einzelaktionen aus dem Rückraum will er wieder mehr Kooperationen mit dem Kreis und den Außenpositionen sehen. Zudem will die beste Abwehr der Liga unbedingt ihren Schnitt von nur 28 Gegentoren pro Partie halten. „Im Speziellen wollen wir besser zurückarbeiten und weniger schnelle Tore bekommen“, hat Fröhlich noch weiteres Verbesserungspotenzial erkannt: „Da geht es um Fleiß und Konzentration. Damit wollen wir nach Möglichkeit auch mal wieder einen deutlichen Sieg einfahren, um den wir nicht bis zur letzten Minute zittern müssen.“
 
Die Ausgangslage ist nahezu identisch wie an den vergangenen beiden Wochenenden: Als haushoher Favorit empfängt der Tabellendritte das neue Schlusslicht TuS Schutterwald. Sieben Niederlagen in Folge, aber insgesamt erst zwei Siege stehen auf dem Konto des südbadischen Traditionsvereins. Worüber sich Aaron Fröhlich extrem verwundert zeigt: „Sie bringen sehr viel Qualität mit und erzielen fast immer knappe Ergebnisse. Eigentlich hätte ich sie nicht ganz hinten erwartet, aber sie gewinnen bislang einfach ihre Spiele nicht.“ Oft sind es nur wenige Minuten, die dem TuS Schutterwald das dringend benötigte Erfolgserlebnis kosten. So auch bei der jüngsten Auswärtsfahrt zum VfL Waiblingen: Ein 0:5-Negativlauf vor der Halbzeitpause erwies sich als Genickbruch, der bis zum 29:33-Endstand nicht mehr wettzumachen war.
 

Schutterwald greift nach dem allerletzten Strohhalm

Angesichts von acht Punkten Rückstand ans rettende Ufer erscheint die Mission Klassenerhalt fast schon aussichtslos. Aufgegeben haben sich die Gäste noch längst nicht, wie deren Sportlicher Leiter Marius Oßwald unterstreicht: „Wir haben das Potenzial, gegen fast alle Gegner zu punkten, brauchen dazu aber immer unsere beste Leistung und sicherlich auch etwas Matchglück. Die Stimmung und die Einsatzbereitschaft sind hervorragend. Das ist in unserer Situation sicher nicht selbstverständlich – spricht aber für die Mannschaft und das Umfeld im Verein.“ Die Schutterwälder sind zwar ein gern gesehener Gast, da sie ihre elf Auswärtspartien allesamt verloren haben, aber eben doch nicht völlig chancenlos.
 
Der TSB weiß das aus eigener Erfahrung. Im Hinspiel musste man den frühen Ausfall von Abt verkraften und gewann mühevoll mit 35:31. „Schutterwald hat uns das Leben richtig schwer gemacht, wir haben es erst in den Schlussminuten hingebogen“, warnt der Trainer. Ein Spiel gegen den Tabellenletzten ist eben nicht ganz so einfach, wie es auf dem Papier vielleicht aussehen mag. Die eigene Erwartungshaltung will Fröhlich gar nicht erst wegdiskutieren. Der zehnte Heimsieg dieser Saison soll her. „Dafür dürfen wir aber nicht unterschwellig ein paar Prozente weniger investieren. Das ist meine zentrale Aufgabe, die Jungs mit der richtigen Motivation aufs Feld zu schicken.“
 

Mentalität statt Müdigkeit

Während bei manchen Ligarivalen die Saison inzwischen ohne große Spannung dahinplätschert, sind die Gmünder immer noch extrem erfolgshungrig. Immerhin befinden sie sich weiterhin in Schlagdistanz zu den beiden Aufstiegsplätzen. „Mir geht es gar nicht nur um die nächsten Wochen“, betont Fröhlich, „sondern perspektivisch um die nächsten Jahre, in denen wir uns als junge Mannschaft kontinuierlich verbessern wollen. Wir sind nicht müde, sondern sind heiß auf jedes Spiel.“ Nach der kurzen Faschingspause geht es für den TSB erst nach Neuenbürg (08.März), am 16.März reist der ungeschlagene Klassenprimus SG Köndringen/Teningen an. Jeden Gegner einmal zu schlagen, dieses Ziel haben sich Fröhlichs „Mentalitätsmonster“ fest vorgenommen.
 
Zunächst aber gilt es, den Underdog aus Schutterwald zum zweiten Mal in dieser Saison zu bezwingen. Das gelang dem TSB zuvor noch nie. Und noch eine Statistik möchte der Gmünder Trainer gerne aufbessern: In der Römerhalle Straßdorf hat der TSB nur zwei seiner vergangenen acht Partien gewonnen, dem VfL Waiblingen unterlag man vor einem Monat unglücklich in letzter Sekunde mit 27:28. „Es ist nicht unsere Heimhalle“, vermisst Fröhlich den gewohnten Wohlfühlfaktor aus der Großen Sporthalle: „Doch damit wissen wir umzugehen. Wir sind mit der Saison zwar bislang zufrieden, aber wir können auch mit keiner Niederlage leben.“ Erst recht nicht in einem Heimspiel.
 
TSB: D.Mühleisen, Immer – Abt, Leichs, Maier, Schäffner, Scholz, J.Schwenk, Watzl, Waldraff, Bächle, Burtsche, S.Mühleisen, Waibel, Waldenmaier
(Text: Nicolas Schoch - Bilder: Enrico Immer (2), Frank Bieg (4))